Ratsantrag: Lichtverschmutzung reduzieren – Strom sparen, nachtaktive Tierarten schützen, gesünder Leben durch besseren Schlaf – Dark-Sky-Kommune werden
Unter Lichtverschmutzung versteht man künstliches Licht etwa von Straßenlaternen, Werbeflächen und Schaufenstern, das ungenutzt die natürliche Nachtlandschaft und den Himmel aufhellt. Die Dunkelheit wird mit Kunstlicht überlagert und „verschmutzt“ – dadurch sind etwa weniger Sterne am Himmel zu sehen. Zudem kann es der Tier- und Pflanzenwelt schaden. Es soll oranges oder warmweißes Licht mit 2000 bis 3000 Kelvin verwendet werden, da dieses die geringsten negativen Einflüsse hat.
Die Gesunderhaltung aller Lebewesen und Energieeinsparung sind wichtige Ziele. Auch im Stadtgebiet leben viele Tiere und Pflanzen, die nachtaktiv sind und eine natürliche Umgebung ungestört von künstlicher Beleuchtung brauchen. Unter der Aufhellung des Nachthimmels leiden besonders Insekten, weil sie an den Lichtquellen verenden, wie der Naturschutzverband BUND berichtete.
Wissenschaftlich nachgewiesen ist zudem, dass das menschliche Hormonsystem negativ auf künstliches Licht bei Nacht reagiert. Es stört die innere Uhr des Menschen und kann unter anderem zu Schlafstörungen führen. Chronische Schlafstörungen werden mitverantwortlich gemacht für Volkskrankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettleibigkeit.
Die Stadt Fulda ist Deutschlands erste „Dark-Sky-Kommune“ Ein Beispiel für die Fuldaer Bemühungen: Es wurden bereits Hunderte Lampen auf umweltfreundliche LED-Leuchten umgerüstet, die ihr Licht gezielt und in warmen Farben nur nach unten abgeben. Zwischen 22:30 Uhr und 5:30 Uhr werden die Laternen nach Angaben der Stadt um 50 Prozent gedimmt.
Um die Lichteinflüsse weiter zu reduzieren, können Vorgaben zu Beleuchtungsrichtlinien in Bauleitverfahren gemacht werden. Das Thema muss von Anfang an von Architekten und Bauherren berücksichtigt werden. Was sich manche Privatleute und Gewerbetreibende an Lichtverschmutzung leisten, indem sie ihre Fassaden gleißend hell anstrahlen, ist schlimm, absolut überflüssig, aber bisher schwer zu reglementieren.
Zusätzlich kann die Stadt durch Umrüstung eigener Beleuchtungen Strom einsparen, der auch bei der Umsetzung der Klimaziele dienlich ist. So spart die Stadt Fulda (ca. 223.000 Einwohner*innen) ca. 80.000 kWh Strom pro Jahr ein. Als Beispiel und kompetenter Ansprechpartner kann die Stadt Fulda dienen (https://www.sternenstadt-fulda.de/, www.fulda.de/unsere-stadt/klima-natur-umwelt/dark-sky-community.html ) Die „International Dark Sky Association“ gibt auf ihrer Seite hilfreiche Auskünfte und wie der Titel „Dark Sky Community“ zu erwerben ist (https://www.darksky.org/)
Wir beantragen:
- Die Stadt Aachen strebt an, die Lichtverschmutzung bis 2025 so massiv zu reduzieren, dass eine Bewerbung bei der „International Dark Sky Association“ um den Titel „Dark-Sky-Kommune“ erfolgreich ist.
- Die Verwaltung der Stadt Aachen erstellt dafür bis Ende September 2021 die Vorlage für eine Beleuchtungsrichtlinie, die dazu beitragen soll, das Erscheinungsbild der Stadt vor Verunstaltung und Überinszenierung durch falsch eingesetztes Licht zu schützen. Die Richtlinie ist zunächst eine Selbstverpflichtung der Stadt, bei eigenen Beleuchtungsanlagen alle Formen von Lichtverschmutzung zu minimieren. Zugleich soll die Richtlinie auch privaten Bauherren und Planern sowie Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden wichtige Handreichungen für eine energiesparende, klimafreundliche Lichtoptimierung bieten. Die Stadt will dabei für eine freiwillige Mitwirkung sensibilisieren und bietet auch entsprechende Beratung an. Die Stadt soll mit gutem Beispiel vorangehen und bei Neuerrichtung von öffentlichen Beleuchtungsanlagen generell zeitliche Steuerungen zum Dimmen und Abschalten der modernen LED-Leuchten einsetzen.
