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Olympia-Bürger*innen-Entscheid

Tim Wende

Liebe Aachener*innen,

wir begrüßen es sehr, dass die Entscheidung, ob die Region Rhein/Ruhr sich um die Ausrichtung der Olympischen Spiele in den Jahren 2036, 2040 und 2044 bewerben soll, in die Hände der Bürger*innen gelegt wird.

Vorweg: Die Linke steht einer Bewerbung zu den Olympischen Spielen kritisch gegenüber.
Das hat zum einen mit den hohen Kosten zu tun, die auf das Land und die Kommunen zukommen, die NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gegenüber den Medien mit 4,8 Mrd. Euro bezifferte. Er ergänzte, dass Einnahmen in Höhe von 5,2 Mrd. Euro erzielt würden. Unabhängig davon, wie seriös solche Kalkulationen viele Jahre vor dem eigentlichen Ereignis sind, feststeht, dass die Investitionen in Wettkampfstätten von der öffentlichen Hand aufgebracht werden müssen, während die Einnahmen überwiegend in die Privatwirtschaft fließen. Darüber hinaus wird sich die Mehrheit der Bevölkerung die Eintrittspreise zu den Spielen nicht leisten können, wie zuletzt vielfach bei den Winterspielen in Italien kritisiert wurde.

Zahlreiche marode Turn- und Schwimmhallen in unserem Land zeigen, dass dringend in den Breitensport investiert werden muss; allein in der Stadt Aachen sind ca. 100 Sporthallen sanierungsbedürftig. Die Olympia-Milliarden fließen jedoch in einige wenige Wettkampfstätten, von denen der Schul- und Vereinssport nicht profitieren wird und dessen Folge- und Instandhaltungskosten die Region noch viele Jahre nach Olympia belasten werden – Geld, welches spätestens dann dem Breitensport endgültig fehlen wird.
Die Versprechungen, dass durch Olympia Investitionen in die Infrastruktur möglich werden, werfen die Frage auf, warum dies ohne Olympia nicht möglich ist. Es wird während der Veranstaltungen auch trotz eines zentral gesteuerten Mobilitätskonzepts zu einer Überlastung des (öffentlichen) Nahverkehrs kommen und die Erfahrungen früherer Ausrichter-Städte haben gezeigt, dass auch die langfristigen Auswirkungen auf die Infrastruktur größtenteils negativ sind. Dies zeigt sich vor allem in gestiegenen Mietkosten und somit der Verdrängung von sozial benachteiligten Bevölkerungsteilen.

Das Versprechen, dass Arbeitsplätze geschaffen werden, blendet aus, dass diese meist nur kurzfristig und unter prekären Arbeitsbedingungen stattfinden und größtenteils nicht mit den Menschen der Ausrichter-Städte besetzt werden.

Die negativen Entwicklungen werden durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) nochmal verstärkt. Trotz Milliardeneinnahmen durch Werbung, exklusive Sponsorenverträge und Fernsehübertragungsrechte erwartet der “gemeinnützige Verein” eine Befreiung von sämtlichen Steuern und Zöllen. Auch leistet die Stadt volle Haftung während Olympia. Insgesamt steht das IOC für Selbstbereicherung, Korruption, Bestechung, Doping-Verschleierung und Demokratiefeindlichkeit.

Wir kritisieren die bisher sehr einseitige Berichterstattung in den Medien und der Stadt Aachen zu Olympia, die eher eine PR-Kampagne für die Bewerbung ist.

Neben all dieser allgemeinen Kritik an Olympia sind wir besorgt, dass das Tierwohl der Pferde beim Reitsport, welcher dann in Aachen ausgetragen werden würde, nicht ausreichend beachtet wird.

Zuletzt möchten wir anmerken, dass eine Bewerbung von Deutschland für das Jahr 2036,  100 Jahre nach den Olympischen Spielen in der NS-Zeit,  kein geeigneter Zeitpunkt für eine Bewerbung ist.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für unseren Blick auf die Olympischen Spiele genommen haben!
 

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