Die Kaiserplatz-Galerie – vom Großprojekt zum Rattenspielplatz

Aachen, 5. Juli 2012

Andreas MüllerGescheiterte und misslungene Stadtentwicklungsprojekte gibt es in Aachen in größerer Zahl. Besonders zu nennen sind das Gewerbegebiet Avantis, die „Euregionale 2008“ und die Kaiserplatz-Galerie. Letztgenanntes Vorhaben springt im wahren Wortsinn ins Auge. Denn dort, wo längst hinter Glaßfassaden eingekauft werden sollte, tummeln sich die Ratten auf einer Brache, die eine ideale Kulisse ergäbe für Filme über die Nachkriegszeit. Wie kam es dazu?

Die Adalbertstraße zwischen Kaiserplatz und Kugelbrunnen war / ist geprägt durch hässliche Nachkriegsbauten. Hinter der südlichen Häuserzeile gab es eine Brache, die als Parkplatz genutzt wurde. Schon immer gab es den Wunsch, hier „etwas Besseres“ hinzubekommen. Problem: Viele kleine Grundstücke, viele Eigentümer.

2005 traten die Aachener Investoren Kahlen und Sauren mit der Idee an die Öffentlichkeit, auf dem Gelände eine Shopping-Mall zu errichten. Zunächst wurde das Projekt einhellig begrüßt. Das änderte sich, als Details der Planungen bekannt wurden (Daten zum Projekt siehe letzter Abschnitt "Rechtliche und aktuelle Situation"). Es gründete sich die Bürgerinitiative „Kaiserplatzgalerie - aber anders“, die für eine gemischte Bebauung mit Wohnungen, kleineren Geschäften und mehr Grün eintrat. Im Rat schloss sich dieser Argumentation einzig DIE LINKE an. Alle anderen Fraktionen begrüßten das Projekt in der vorgesehenen Größe.

Im Februar 2009 beging diese große Ratsmehrheit einen verhängnisvollen Fehler.

Nicht zuletzt auf Drängen des damaligen Oberbürgermeisters Jürgen Linden wurde der Bebauungsplan für das Gelände beschlossen, die rechtliche Grundlage also, die dem Investor grünes Licht gab. Dagegen stimmte nur DIE LINKE. Zu dem Beschluss kam es, weil Investor Kahlen versicherte, er und seine Geldgeber stünden „Schaufel bei Fuß“, um kurzfristig einen Bauantrag einzureichen und loszulegen.

Doch gebaut wurde nichts. Der Bauantrag wurde erst im letzten Moment eingereicht, kurz vor Verstreichen der dafür vorgesehenen Frist im März 2010. Auf der „Baustelle“ wurden lediglich Häuser abgerissen, darunter auch Wohnhäuser, die zuvor „entmietet“ wurden und ein großes Kino im Stil der 50er Jahre. Diesen Abriss zu genehmigen, war ein weiterer verhängnisvoller Fehler. Verantwortlich: Die Bauverwaltung der Stadt Aachen.

Die hässliche Trümmerlandschaft und die immer neuen Ankündigungen des Projekt“entwicklers“, es werde nun bald losgehen, sorgten dafür, dass sich immer mehr Aachener/innen gegen das Projekt aussprachen. Die Bürgerinitiative änderte ihren Namen in „Kaiserplatzgalerie -  Nein, danke!“ und forderte nun eine Überplanung des Geländes.

Anfang 2012 trat mit der ECE/Strabag ein neuer Akteur auf. Der Shopping-Mall-Betreiber und die Baufirma wollten den Aachener Investoren das Projekt abkaufen und dann loslegen. Wie der Presse zu entnehmen war, fordern ECE und Strabag allerdings, das Projekt noch einmal zu vergrößern (Details siehe letzter Abschnitt).

Und wieder geschah: Nichts! Der Verkauf des Projektes an ECE/Strabag kommt einfach nicht zustande. Grund sind wahrscheinlich ungelöste Grundstücksfragen. Offenbar gehören der bisherigen Entwicklungsgesellschaft PEA noch immer nicht alle Grundstücke. Der Planungsausschuss beschloss daher im Mai: Die Verwaltung soll prüfen, wie man aus dem aktuellen Bebauungsplan aussteigen und eine Neuplanung einleiten könnte. Die Initiative „Kaiserplatzgalerie – Nein, danke“ spricht sich für eine Neuplanung mit Wohnungen, Geschäften und viel Grün aus.

Fortsetzung folgt, vermutlich nach den Sommerferien.

Rechtliche und aktuelle Situation:

Baurecht schafft der „Vorhabenbezogene Bebauungsplan Nr. 891“, beschlossen vom Rat der Stadt am 18.02.2009 mit den Stimmen von CDU, SPD, Grünen, FDP und einem fraktionslosen Ratsmitglied.

Größe des Projekts: 17.000 m² Grundfläche, 600 Parkplätze Einfahrt durch einen Tunnel in der Umfahrung des Adalbertsstiftes). Besonderheit: Die Straße Adalbertsberg verschwindet und wird mit der Galerie überbaut. Weitere Details im Ratsinformationssystem abrufbar (Ratssitzung v. 18.02.09)

„Ausgleichsmaßnahmen“: Der Investor verpflichtet sich, 1.200 m² Ersatzwohnraum im Suermondtviertel und weitere 1.800 m² innerhalb des Alleenrings zu schaffen, innerhalb von 5 Jahren nach Rechtskraft des Bebauungsplans. Zahlung von EUR 100.000.- durch den Investor zum Anschub eines Job-Tickets für die Mitarbeiter/innen der Galerie.

Im März 2010 wurde vom Investor ein Bauantrag eingereicht. Gebaut wurde aber nichts. Anfang 2012 erklärten der Shopping-Mall-Betreiber ECE und die Baufirma Strabag, man wolle das Projekt übernehmen. Wie der Presse zu entnehmen war, forderte der neue Investor aber eine Ausweitung der Planung: Zwischen Adalbertsberg und Harscampstraße sollen zusätzlich zu den geplanten 29.000 m² Verkaufsfläche mehrere 1.000 m² zusätzliche Verkaufsfläche entstehen. Offenbar zur Ansiedlung von „Peek & Cloppenburg“. CDU, SPD, Grüne und FDP stehen der Forderung positiv gegenüber.

Und wenn das Projekt endgültig scheitert? Die Verwaltung prüft zur Zeit die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine Überplanung des Geländes. Das Ergebnis wird vermutlich nach den Ferien im Planungsausschuss präsentiert.